Archiv für die Kategorie 'Was ist eigentlich...'

Gestern begehrte Kunde Harald nach dem Weizenmehl Type 812. Seine Mutter hat es in einem Rezept gelesen und wünscht sich daraus Brot zu backen. Damit zukünftig alle Selberbacker was von Mutters Wunsch haben, führe ich das gerne hier aus.

So wie der Metzger sein Schwein zerlegt, in etwa so zerkleinert der Müller sein Korn. Lende, Rippe, Keule und Wurst sind beim Müller Schrot, Grieß, Dunst, Mehl und Kleie. Daraus entstehen bei jedem der 14 Mahlschritte unterschiedlich helle Passagenmehle.

Danach werden die Mehle aus den Mahlpassagen zu den gebräuchlichsten Typenmehlen 405 und 1050 zusammengemischt. Ersteres wird für Feingebäcke und für Spätzle verwendet, letzteres um Brot zu backen. Hört sich doch einfach an, oder? Kompliziert wird es erst dann, wenn die verschiedenen Mehltypen unterschiedlich schnell verkauft werden. Der Metzger kann aus einem Schwein nicht mehr Rippchen verkaufen als die Sau Rippen hat. Na gut, denkst du dir jetzt, dann schlachtet er eben eine Neue. Doch wenn er nicht in gleichem Maße den Rest des Schweins verkauft, kann er die im besten Falle selbst aufessen. Also, hier erschließt sich das Dilemma der ‘Kuppelproduktion’, wie das in der Fachsprache heißt.

Der schlaue Müller mischt, um dem Problem Herr zu werden, ganz einfach seine Mehle neu. Verkauft er mehr dunkles Mehl zum Brot backen als Weißmehl für Feingebäck, bliebe er am Ende darauf sitzen. Also mischt er die dunkelsten Passagenmehle der Type 405 ins dunkle Typenmehl 1050. So gleicht er die Mengen aus. Mit der Folge dass sein dunkles Brotmehl etwas heller wird und jetzt als Mehl Type 812 und nicht mehr unter der Type 1050 verkauft werden muss. Alles klar?

Deine nächste Frage dürfte sein: ‘Unterscheiden sich die Mehltypen im Backverhalten?’ Klare Antwort, unwesentlich! Oben wurde deutlich, dass die Mehltypen durch unterschiedliche Zusammenmischung entstehen. Im wesentlichen entscheidet sich die Backqualität durch die vermahlene Weizen- oder Getreidemischung. Die Mehltype informiert lediglich über den Gehalt an Mineralstoffen/Ballaststoffen und infolge dessen über die Helligkeit.

Die Mutter kann also ganz bequem, aus ihren Mehlen Type 405 und 1050, ihr Wunschmehl Type 812 zusammen mischen. Und das geht am einfachsten mit dem Mischungskreuz. Die Type 812 mischt sie demnach ganz einfach aus 2 Schaufeln Weizenmehl Type 1050 und einer Schaufel Type 405. Voilá.

Wenn mehr Fragen als Antworten entstanden sind kannst du das gerne kommentieren. Hast du auch eine Frage an Müller? Dann schreib los auf Kontakt & Impressum.

Spätzles-Maschine ade? Neuerfindung verspricht schnelle Spätzle im Schüttelverfahren.

Spätzle-Shaker von Susann und Julia Hartung

(C) tagblatt.de

Tübingen. Im Herzen des Spätzle-Landes hat eine Hausfrau das Spätzle machen neue erfunden, wie das tagblatt.de berichtet. Aufgrund der hohen Spätzlesnachfrage innerhalb ihrer Familie, hat Susann Hartung die Produktion der schwäbischen Nationalspeise kurzerhand rationalisiert. Seit zwei Jahren tüftelt und entwickelt sie an einem Spätzles-Shaker. Die ersten Versuche sind erfolgreich verlaufen. Das Patent ist angemeldet und geschützt. Produktionspartner sind gefunden und der vertrieb steht kurz bevor.

Das Gerät sieht so aus wie eine Honig-Spender-Flasche. Die Zutaten werden zusammen mit 2 Kugeln in den Behälter gefüllt, verschlossen und dann kräftig geschüttelt. Anschließend drückt man den Teiginhalt durch mehrere kleine Deckellöcher in das kochende Wasser.

Bleibt nur zu hoffen dass der Teig die richtige Konsistenz besitzt. Sonst wird nicht mehr geschüttelt, sondern gerührt. Und zwar die schöne Erfindung in den Müll.

Meine Empfehlung ist traditionell-rationell nach Luise:

Schüssele, Kochlöffel, 250g bestes, griffiges, frisch gemahlenes Weizenmehl Type 405, 125g Wasser, 2 Eier – kräftig durchgerührt und durchgedrückt. Lecker!

En guata! Euer Selberrührer

Hallo? Wo leb ich eigentlich? Das ist wohl ein Witz? Nein? Mein blankes Entsetzen, meine ungläubige Verwunderung über das mitgebrachte Genußobjekt eines Kindes war fast nicht zu bremsen. – Aber, der Reihe nach.

Im Mühlenladen ist es seit Generationen Brauch, den Kundenkindern nach dem Einkauf ein Karamelbonbon zu schenken [zugegeben, die sind nicht gesundheitsfördernd]. Dennoch war mir die heutige Dimension der für Kinder käuflich erwerbbaren Zuckerbomben nicht bewusst.

Eine Mutter hat mit ihrem fünfjährigem Sohn im Mühlenladen eingekauft. Nach dem Zahlen erklärte ich dem Jungen, dass die Karamels ausgegangen waren. Der reagierte gleichgültig auf die Entschuldigung meinerseits, worauf die Mutter mir erklärte, er hätte eh noch an seiner mitgebrachten Schleckkugel zu schlecken und ein Bonbon wäre da sowieso zuviel. Die Mutter war auch noch so lieb mir zu erklären, dass die Schleckkugel eigentlich Monsterball heißt und etwa 5cm im Durchmesser hat.

Ich konnte es einfach nicht glauben, dass so ein Produkt auf dem Markt zugelassen ist. An der nächsten Zapfe hatten sie die Kugel vorrätig. Für alle die nicht wissen von was ich berichte, hier das Bild zum Entsetzen:
monster-wunderball

Eigentlich wollte ich mich trotz der abschreckenden Ingredienzen aus dem Labor zu einem Selbstschleckversuch zwingen. Doch auch der Geruch des Monsterballs macht seinem Namen alle Ehre. Der Gestank beim Auspacken war so widerlich, es ging beim besten Willen nicht. Ich hab mir inzwischen sagen lassen, dass kaum ein Kind die ganze Kugel aufschlecken kann. Das ist wohl das positivste an der Chemiekugel.

Liebe Eltern, es gibt so viel ungesundes zum Schlecken [von den gesunden mal abgesehen], muss es dann unbedingt ein Monsterball sein?

Macht was draus, euer selberbacker